Netzgeschichten aus den Gemeinden
Der Alarm in der Hosentasche

Ob Feuerwehr, Zivilschutz oder Führungsorganisationen: Gemeinden müssen ihre Einsatzkräfte auch in ausserordentlichen Lagen schnell und zuverlässig erreichen. Gerade bei Stromausfällen, Unwettern oder Grossereignissen entscheidet eine funktionierende Alarmierung darüber, wie schnell Hilfe organisiert werden kann. Mobilfunknetze, SMS und moderne 5G-Infrastrukturen spielen dabei eine zunehmend zentrale Rolle.

In vielen Gemeinden erfolgt die Alarmierung von Milizkräften heute hauptsächlich über Mobiltelefone – per Telefonanruf, SMS oder Alarm-App. Diese Lösungen haben sich bewährt, weil praktisch alle Angehörigen der Einsatzorganisationen das Mobiltelefon jederzeit bei sich tragen. Alarmierungen erreichen sie dadurch ortsunabhängig und direkt. Gleichzeitig ermöglichen mobile Netze eine schnelle und koordinierte Kommunikation zwischen Einsatzkräften, Führungsstäben und weiteren Organisationen.

Die Vorteile zeigen sich insbesondere in der Praxis. Feuerwehrleute oder Zivilschützer müssen nicht zuerst zuhause oder am Arbeitsplatz erreicht werden, sondern erhalten den Alarm genau dort, wo sie sich gerade befinden. Zusätzliche Informationen wie Einsatzorte, Rückmeldungen oder laufende Lageupdates können unmittelbar übermittelt werden. Moderne Alarmierungs-Apps und digitale Systeme nutzen dabei dieselbe Grundlage: ein stabiles Mobilfunknetz.

Doch gerade in Krisensituationen werden Grenzen sichtbar. Stromausfällen oder Überlastungen der Netze können die Kommunikation beeinträchtigen. Hier setzen aktuelle Entwicklungen im Bereich Mobilfunk und 5G an. Netzbetreiber und Behörden arbeiten im Rahmen des Projektes «Mobile breitbandige Sicherheitskommunikation») (MSK daran, die Netze robuster zu machen und kritische Kommunikation gezielt abzusichern. Dazu gehören beispielsweise sogenannt gehärtete Infrastrukturen mit längeren Notstromlaufzeiten oder priorisierte Zugriffsrechte für Einsatzorganisationen.

Für Gemeinden ist diese Entwicklung relevant. ,Die Anforderungen an Bevölkerungsschutz und Krisenorganisation verändern sich grundlegebend. Während früher das Festnetz eine wichtige Rolle spielte, ist die Kommunikation heute zunehmend mobil. Gleichzeitig verschwindet der klassische Festnetzanschluss aus vielen Haushalten. Mobilfunk wird damit zur zentralen Kommunikationsgrundlage, sowohl für die Alarmierung von Einsatzkräften als auch für die Information der Bevölkerung.
Für die Information der Bevölkerung gewinnen neue Technologien an Gewicht. Mit sogenannten «Cell-Broadcast-Systemen» können Warnmeldungen direkt an Mobiltelefone in einem bestimmten Gebiet gesendet werden, ohne dass Telefonnummern bekannt sein müssen und ohne Installation einer bestimmten App. Das ermöglicht eine schnelle, breit angelegte Warnung im Ereignisfall.

Japan und die Niederlande als Vorreiter

Solche Systeme ergänzen bestehende Alarmierungswege. Länder wie Japan setzen seit bald zwei Jahrzehnten darauf, um vor Erdbeben, Tsunamis oder anderen Extremereignissen zu warnen. In Europa gehörten die Niederlande zu den Vorreitern. Das System wurde dort bereits 2012 eingeführt und erreicht heute 90 Prozent der Bevölkerung.

Für Gemeinden bedeutet das vor allem eines: Alarmierung ist längst nicht mehr nur ein technisches Thema der Blaulichtorganisationen. Moderne Mobilfunknetze und 5G schaffen die Grundlage dafür, dass Einsatzkräfte erreichbar bleiben, Informationen schnell fliessen und die Bevölkerung im Ereignisfall rasch informiert werden kann. Sie werden zu einem zentralen Bestandteil der digitalen Resilienz einer Gemeinde. Genau darum ist auch der stetige Unterhalt und Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur in den Gemeinden von Bedeutung.
 

personAlex Sollberger

eventMontag, 22. Juni 2026